Text: Tobias Hennecke Bilder: Tobias Hennecke & Gut Steinbach

Das Heimatrefugium und die Zwei-Länder-Runde

Es gibt einen Moment auf dem Weg nach Gut Steinbach, da lässt man mehr zurück als nur die Autobahn. Es ist der Moment, in dem die Straße schmaler wird, sich enger an die Hänge des Chiemgaus schmiegt und das ewige Rauschen des Verkehrs einem leisen Summen weicht. Dem Summen von Bienen auf den Bergwiesen, dem fernen Läuten einer Kuhglocke, dem Wind in den Baumwipfeln. Man fährt nicht einfach nur in ein Hotel, man fährt als Familie in einen anderen Aggregatzustand.

Ankommen und Abschalten

Die Ankunft selbst ist eine Meisterleistung der Entschleunigung. Kein Portier, der einem hektisch die Wagentür aufreißt. Stattdessen: der Duft von Zirbenholz und ein Blick, der sofort an den umliegenden Gipfeln hängenbleibt. Für unseren Sohn war die größte Attraktion jedoch sofort klar: die Tiere. Yaks, Rotwild und Ziegen, die hier wie selbstverständlich zum Gut gehören und die Philosophie der hauseigenen, biolandzertifizierten Landwirtschaft lebendig machen.

In unserem Chalet, einem Refugium aus Holz und Wärme, wartete dann die eigentliche Mutprobe des modernen Menschen. Ein kleiner, unscheinbarer Safe aus Holz: die „Handy-Garage“. Wir trafen eine gemeinsame Entscheidung. Die Telefone wurden in ihre Garage gelegt, der Schlüssel umgedreht. Ein kleiner Dreh mit großer Wirkung für uns als Familie.

Eine Runde Europa als Familie

Am nächsten Morgen. Die Luft ist klar, die "Handy-Garage" verschlossen. Fast. Ein Telefon muss als Kamera für die Reise herhalten. Ein notwendiges Übel auf dem Weg zu einem Platz, der es verdient, in Bildern festgehalten zu werden: der Golfclub Reit im Winkl-Kössen.

Manchmal muss man erst die Grenze überqueren, um richtig anzukommen. Wir fahren als Familie ein paar Minuten über eine kleine Landstraße und parken in Österreich. Das Clubhaus liegt am Fuße des Peternhof in Tirol. Wir trinken unseren Kaffee mit Blick auf das 18. Grün und betreten das erste Tee – ebenfalls in Österreich. Die ersten fünf Löcher sind eine Art Ouvertüre auf Tiroler Boden, die wir zu dritt in Angriff nehmen. Dann, nach dem fünften Grün, passiert es. Wir folgen dem Weg zum nächsten Abschlag und überschreiten dabei eine Grenze, die man nur bemerkt, wenn man darauf achtet. Plötzlich stehen wir in Deutschland.

Die nächsten zwölf Löcher sind ein Ausflug nach Bayern. Es ist eine beiläufige Selbstverständlichkeit, die in Zeiten, in denen Grenzen wieder zu Mauern werden, fast schon politisch anmutet. Hier, zwischen Fairway und Rough, existiert Europa noch in seiner ursprünglichsten Form. Man sorgt sich nicht um seinen Pass, sondern um seinen Putt. Für das große Finale, die Bahn 18, kehren wir dann wieder nach Österreich zurück. Eine kleine, sportliche Europareise als Familie.

Belohnung für Körper und Gaumen

Nach der Runde ist die Rückkehr ins Gut Steinbach wie das Ankommen in einem anderen Hafen. Besonders für meine Frau ist es genau dieser Kontrast, der den Ort perfekt macht. Sie liebt das Golfspiel, aber sie schätzt es umso mehr, dass sich hier nicht alles nur um das nächste Handicap dreht. Während unser Sohn den Indoor-Pool erobert, genießen wir gemeinsam die wohlige Stille im "Heimat & Natur SPA". Es ist kein klassisches Golfhotel. Es ist ein Refugium, das die Leidenschaft für den Sport teilt, aber auch versteht, dass Erholung mehr bedeutet.

Der wahre Höhepunkt des Tages wartet im Restaurant. An diesem Abend gibt es für uns das Wiener Schnitzel. Es kommt an den Tisch und ist eine Offenbarung. Ein dünnes, zartes Stück Kalbfleisch, umhüllt von einer Panade, die in Wellen souffliert ist. Perfektes Handwerk. Dazu ein Glas Wein, empfohlen von einem Service, der zu verstehen scheint, was man nach einem langen Tag auf dem Platz braucht.

Was am Ende bleibt

Später am Abend, zurück im Chalet, der Sonnenuntergang hinter den Bergen ist mal wieder ein Spektakel und für uns ein perfekter Abschluss. Die Reise war eine Lektion in Kontrasten. Zwischen zwei Ländern auf einer Golfrunde. Zwischen der Anforderung auf dem Platz und der Ruhe im Spa. Zwischen der Ehrlichkeit eines perfekten Schnitzels und der Finesse einer exzellenten Weinbegleitung. Gut Steinbach ist kein klassisches Golfhotel. Und das ist das Beste, was man über diesen Ort sagen kann. Es ist ein Ort, der seine Grundwerte – Heimat, Ruhe und Boden – in jedem Detail erlebbar macht. Man kommt für den Sport, aber man bleibt für die Stille. Und man nimmt den leisen Vorsatz mit, die "Handy-Garage" im Kopf vielleicht öfter mal abzuschließen.

Heimatrefugium Gut Steinbach

  • Philosophie: Seit der Übernahme 2011 entwickelt Inhaber Klaus Graf von Moltke das 51 Hektar große Areal als nachhaltiges Heimatrefugium. Sein Ziel: "Ein Stück Erde nehmen und es zurückgeben, und zwar so, wie es sein soll: authentisch, traditionell, nachhaltig."

  • Nachhaltigkeit: Bei allen Bauten wurde auf Regionalität geachtet, etwa durch die Verwendung von Hölzern aus dem eigenen Wald. Eine biolandzertifizierte Landwirtschaft mit Yaks, Rotwild, Hühnern und Ziegen macht das Gut zu einem lebendigen Organismus.

  • Kulinarik: Die Küche von Achim Hack setzt die Philosophie konsequent um. 80 % der Produkte stammen aus einem Umkreis von maximal 80 Kilometern. Die Bemühungen wurden vom Guide Michelin mit dem "Grünen Stern" für Nachhaltigkeit ausgezeichnet.

  • Wellness: Der 2021 eröffnete "Heimat & Natur SPA" erstreckt sich auf 2.000 qm über zwei Etagen und bietet mit Pools, Saunen und Ruhebereichen einen weiten Blick in die Chiemgauer Bergwelt.
    Motto: "Heimat ist da, wo sich die Seele wohl fühlt."